Manfred Bleffert – Künstler aus der Stille
im Magazin «Der Auf-Merker» 25.26
Die vollständigen Antworten Manfred Blefferts:
« Zum ‹Künstlerischen der Freiheit› betrachten wir den Menschen in seinen vier Wesensgliedern und in seiner Stufung. Vom Musikalischen her: Der physische Leib ist zwölffach durchtönt. Der Ätherleib ist siebenfältig klingend. Der Astralleib ist dreigliedrig, dreifaltig musikalisch tönend. Das Ich ist die Tonmonade selbst, das Tönende selbst. Wenn wir den Menschen so betrachten in den vier Wesensgliedern, dann erscheint die Freiheit als eine Dimension,die durch die vier Wesensglieder hinaufwärts zu immer grösserer Klarheit und Kristallität kommt, sodass aus dem physischen Leib bis zum Ich die Freiheit als Begriff ersteht und letztendlich nur mit dem Ich und dem Wesen des Geistigen ihre entsprechende Form einer Erkenntnis findet.
Die Kunst und die Künste kommen als Wesen dem Menschen aus dem Übersinnlichen entgegen. Das heisst, sie kommen dem Menschen so entgegen, dass sie hineinwirken und hinunterwirken in die Wesensglieder des Menschen. Aus einer höheren Welt, aus der übersinnlichen Welt kommt dem Menschen durch die Künste das Künstlerische entgegen und durchdringt die vier Wesensglieder. Dadurch entstehen z.B. die sieben Künste, ensteht das Gebiet, in dem ich selber arbeitete: das Künstlerische des Wortes, des musikalischen Tones, der malerischen Farbe und der plastischen Form. In diesen spiegelt sich das Wirken des Übersinnlichen in den vier Wesensgliedern wider, welche die Grundlage bilden für diese Vierheit der Künste. (...)
Im Menschenwesen entsteht nun aus dem Eigenwesen des Menschen in seinen vier Wesensgliedern und dem Hineinströmen des Übersinnlichen - was ja zu dem Menschen gehört als höhere Welt, in die er sich hineinentwickeln wird in der Zukunft und hineinentwickelt in der Gegenwart und in der Vergangenheit damit begonnen hat; das, was genannt wird Lebensgeist, Seelengeist und Geistselbst - wenn das Künstlerische hineinströmt in dieses Aufsteigen des Menschen durch die vier Wesensglieder zum Ich, entsteht eine Art Chaos, das heisst, ein Zustand, der zwischen Freiheit und dem Künstlerischen oder durch die Freiheit und das Künstlerische gewirkt wird, aus dem dann das künstlerische Werk entsteht als Schöpfung. Dieses Werk, die Schöpfung löst sich ja vom Menschen als ein freies künstlerisches Wesen und als eine Gestalt und spricht dann durch sich selbst, aus sich selbst. Durch das Chaos zwischen dem Freiheitsbestreben des Menschen und dem Hereinwirken des künftigen Übersinnlichen in das Menschenwesen wird eine Grundlage geschaffen, in der eine Art Befruchtung entsteht oder eine Art Genialität, das Kunstwerk hervorzubringen als ein Eigenes, Selbständiges und Freies.
Wir kommen nun zu dem Begriff des ‹Tonortes der Stille› oder zu der Entdeckung eines ‹Tonortes der Stille›, welcher die zwölf Töne des musikalischen Grundes umgreift. Wir haben vorher gesagt: der ganze Mensch als physischer Mensch ist zwölffach durchtönt. Das heisst, der Mensch trägt diese zwölf Töne als Gestaltungskräfte, als musikalische Urkräfte in sich. Wir sind jetzt in einer Zeitenwende, in der ein Teil der Menschheitsentwicklung abgeschlossen ist und eine Zeitenschwelle erscheint, über die wir in eine neue Zeit hineingehen werden. Und da leuchtet der Begriff der Freiheit auf, die aus dem Wesen des Menschen sich entwickelt und sich dem Geistigen, einer geistigen Welt mitteilt. Der Mensch wird Schöpferwesen, schaffendes Wesen und der Empfangende übersinnlicher Kräfte und der Erzeugende einer künstlerischen Wesenheit, die den Menschen ausdehnt als Wesen über die Welt und über die Erde und durch das menschliche Wesen selbst als im Menschen wirksam werdender Christusimpuls. Dieser Christusimpuls muss geschaut werden in Bezug auf das Wesen der Freiheit. Nur in diesem höchsten Begriff kann dieses Wesen zur Erstehung kommen, zur Auferstehung. Das heisst, durch den Menschen ersteht eine Wesenheit, die sich ganz als ein göttliches Wesen mit der Erde verbunden hat und selbst Mensch geworden ist und sich mit dem Menschenwesen verbunden hat bis in alle Zeiten, bis in das Ende der Zeiten hinein verbunden bleibt. Der Tonort der Stille ist die Entdeckung des musikalischen Begriffes der Freiheit, welcher jetzt die zwölf Tonorte wahrnimmt als ruhende Dispositionen im Menschen. Jetzt geschieht musikalisch alles Weitere durch die Freiheit als ein Erweckungsvorgang aus dem Grab der zwölf Töne, durch die musikalische Intention, die in gewisser Weise eine viel intensivere Melodie wird. Und die Stille ist jetzt nicht ein physischer Begriff von Lautlosigkeit oder Schweigen, auch keine Klangfarbe, auch keine Mensur oder kein Metrum, sondern sie ist die Begegnung des Menschen mit sich selbst im Ichwesen und ist die musikalische Erfahrung dieses Geistigen des Menschen. Schon im Mittelalter hat man der Erde unter den Planetensphären einen eigenen achten Ton, einen Oktavton zugewiesen: die Stille. Die Erde ist der Tonort der Stille unter den Sphären. Jetzt wird der Mensch selbst in den musikalischen Welten ein Schöpfungswesen dieser Stille. Man kann sagen, die Offenbarung des Ich wird hörbar musikalisch. Die zwölf Töne sind das Grab, aus dem das höhere Menschenwesen musikalisch ersteht. «